Warum sind Arztkittel weiß?

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Warum sind Arztkittel weiß?

Es gibt viele gute Gründe warum Ärzte immer weiß tragen bzw. einen weißen Kittel anhaben.

- Eine ganz einfach Erklärung ist, dass sich weiße Kleidung viel besser bei höheren Temperaturen waschen lässt, als dunklere Kleidung. Das dient der Hygiene und der Vorbeugung vor Erregern und Krankheitskeimen. Weiße Kleidung ist auch hitzebeständiger als farbige Kleidung.

- Die weiße Kittel strahlen zudem auch Reinheit, Verlässlichkeit und Autorität aus. Das ist ein wichtiger psychologischer Aspekt im Umgang mit Patienten und Pflegekräften.

- Anhand eines weißen Kittel, kann man sofort erkennen ob ein Arzt saubere neue Kleidung angezogen hat. Das dient der einfacheren Überwachung der Hygiene im Krankenhaus.

- Ärzte lassen sich ganz einfach an Ihrer Kleidung erkennen. Meist tragen sie weiße Kittel oder zumindest weiße Kleidung. Man könnte behaupten, es wäre die Uniform der Mediziner.



Ursprung des weißen Kittel


Ärzte trugen nicht immer weiße Kittel. Hygiene spielte früher keine Rolle Vor ungefähr 150 Jahren trugen Ärzte lange schwarze Gehröcke. Die schwarze Farbe verlieh ihnen Autorität und Würde. Allerdings legte man auf Hygiene keinen besonders großen Wert. Weder wusch sich der Arzt regelmäßig die Hände, noch wurde die schwarze Kleidung öfter gewaschen. Zu dieser Zeit glaubte man, dass sich Bakterien und Krankheiterreger in der Luft befänden und nicht an den Händen oder gar in der Kleidung. Die Notwendigkeit diese zu waschen war daher nicht gegeben.

Erst in den 80er Jahren im 19. Jahrhundert gelang es dem Berliner Mediziner und Mikrobiologen Robert Koch nachzuweisen, dass Bakterien und Viren nicht nur über die Luft verbreitet werden, sondern auch über die Hände und sogar über Kleidungsstücke, an denen sie haften bleiben. Dadurch wurde deutlich, dass Ärzte, die bei der Arbeit ständig den gleichen Gehrock trugen, Krankheitserreger zwischen ihren Patienten hin- und hertrugen. Da es jedoch nicht möglich war, die vornehmen schwarzen Gehröcke täglich zu waschen, wechselten die Mediziner zu weißen Kitteln, wie sie schon das Küchenpersonal in den Krankenhäusern trugen

Zudem wurden benutzte Instrumente und getragene Kleidung regelmäßig gewaschen. Man fand heraus, dass Bakterien und Krankheitserreger durch große Hitze abgetötet werden können. Die damals schwarze Kleidung ließ sich allerdings nicht heiß waschen ohne dabei auszufärben.

Weiße Kittel hingegen ließen sich problemlos bei hohen Temperaturen waschen, um alle Keime abzutöten. Die Ärzte begannen daher weiß zu tragen.



Unterschiedliche Farben für unterschiedliche Bereiche


Die Farbe Weiß das Sinnbild der für Sauberkeit. Weiß ist in unserer Kultur sinnbildlich für Reinheit, Verlässlichkeit und Vollkommenheit anzusehen. Weiß ist die hitzebeständigste aller Farben. Anhand eines hellen Kittels lässt sich zudem schnell kontrollieren, ob der Arzt frische Kleidung trägt oder nicht. Jeder Fleck wäre sofort erkennbar. Farbwechsel im OP In einem OP gelten andere Regeln. Hier werfen sich die Ärzte einen grünen Kittel über, bevor es ans Operieren geht.

Die Farbe Grün hilft, das Einhalten von Hygieneregeln zu überprüfen. Man sieht sofort, ob ein Arzt sich umgezogen hat, wenn er den OP verlässt. Dies ist besonders wichtig, da sonst Keime der operierten Patienten in andere Abteilungen, aber auch von außen in den OP gelangen könnten. Außerdem erleichtert die Farbvielfalt die komplexe Steuerung der Waschströme im Krankenhaus. Die OP-Kleidung unterliegt viel strengeren Reinigungsvorschriften als die weißen Kittel.

Weiß im OP hat aber noch weitere Nachteile Weiße Kleidung oder Laken reflektieren das grelle Licht der OP-Leuchten wesentlich stärker als grüne Laken und Bekleidung. Bei OP-Eingriffen würden die Augen der Ärzte so viel schneller ermüden oder sie könnten sogar geblendet werden. Zuletzt ist die Farbwahl im OP auch eine psychologische Sache. Die meisten Menschen haben vor einer Operation Angst. Grün, die Farbe der Hoffnung soll beruhigend auf die Patienten wirken. Obendrein wirken Blutflecken auf weißem Untergrund viel bedrohlicher als auf grünem.



Das Weißkittelsyndrom


Manche Patienten leiden unter dem „Weißkittelsyndrom“. Die Bezeichnung stammt im Übrigen nicht von der weißen Kleidung, sondern von dem damit Verbundenen.
Dabei leiden die Betroffenen unter temporärer Hypertonie innerhalb von Praxen oder Kliniken.

Problematisch dabei ist, dass Patienten fehlerhaft als Hypertoniker eingestuft und medikamentös behandelt werden. Nicht nur in deutschen Krankenhäusern, sondern quasi weltweit gilt ein scheinbar ungeschriebenes Gesetz, nach dem Mediziner einen weißen Ärztekittel tragen, während in den OPs grüne oder blaue Spezialkleidung verwendet wird.
Das ist kein Zufall, denn für die Wahl dieser Farben gibt es konkrete Gründe.

Der Weg zum Halbgott in Weiß Nicht immer galten Ärzte als Halbgötter in Weiß: Noch bis zum späten 19. Jahrhundert trugen Ärzte sowohl in ihrer eigenen Praxis (meist einem speziell eingerichteten Zimmer in ihrem Wohnhaus) als auch in Krankenhäusern und bei Hausbesuchen gewöhnliche Kleidung, d.h. die in dieser Epoche typischen Anzüge mit langer Hose, weißem Hemd, Weste und einem knielangen Gehrock. Am liebsten wählten sie dabei die Farbe Schwarz, die als Farbe der Würdenträger galt, denn schließlich war der Arzt eine hoch angesehene Respektperson. Da zu dieser Zeit noch allgemein geglaubt wurde, dass Krankheitserreger in der Luft herumschwirren, nahmen es die Ärzte mit der Hygiene nicht so genau. Niemand wusch sich die Hände zwischen zwei Patienten und auch die Kleidung wurde nicht so häufig gewaschen wie heute. 



Weiße Ärztekittel in der Kritik


Dass Fachhändler wie MEIN-KASACK.de heute nicht mehr nur den traditionellen langen Arztkittel anbieten, sondern auch kurze Kittel und Polohemden, hat einen guten Grund: Der traditionelle weiße Kittel ist in den letzten Jahren immer häufiger in die Kritik geraten - auch, weil es Ärzte mit der Hygiene nicht so genau nahmen und den Kittel z.B. auch beim Essen in der Cafeteria anbehielten oder beim Wechsel zwischen Patienten und Abteilungen im Krankenhaus.

So geraten viele Keime erst in den Umlauf. Dazu verzichten auch immer mehr Ärzte ganz freiwillig auf das ehemalige Statussymbol des weißen Kittels, weil sie auf Patienten weniger unnahbar wirken möchten.

Statt Halbgott in Weiß ist nun der nette Ratgeber von nebenan gefragt. Die Entwicklung begann zunächst bei Kinderärzten und Psychologen und hat mittlerweile auch reguläre Arztpraxen erreicht.
Viele tragen einen kurzen Kittel, weil sie auf die praktischen Taschen nicht verzichten wollen, andere setzen dagegen auf Polohemden. In größeren Gemeinschaftspraxen sind heute spezielle Polohemden gefragt, die eine "Corporate Identity" mit bestimmten einheitlichen Farben schaffen.Oft ist sogar das Logo der Praxis eingestickt oder die konkrete Berufsbezeichnung von der Arzthelferin bis zum Laboranten.

Da heutige Waschmaschinen ganz andere Optionen bieten als noch vor 100 Jahren, ist es meist sogar leichter, täglich frisch gewaschene Polohemden anzuziehen als Arztkittel, die auch noch gebügelt werden müssen.



Besondere Regeln für den Operationssaal - grün und blau statt weiß


Dass im OP stets Grün oder Blau getragen wird, ist ebenfalls kein Zufall:

Da beim Operieren sehr helles weißes Licht benötigt wird, würden weiße Kittel das grelle Licht noch reflektieren und die Augen damit überfordern.

Stattdessen setzen Chirurgen auf die gedeckten Farben Grün und Blau. Diese Farben haben jedoch noch weitere Vorteile: Nach der psychologischen Farbenlehre haben Grün und Blau eine beruhigende Wirkung auf den Betrachter - was gerade im Vorfeld einer Operation sehr von Vorteil sein kann, wenn Patienten nervös und ängstlich sind. Und während Blutflecken auf einem weißen Kettel beunruhigend wirken, werden sie auf grünem oder blauem Stoff kaum wahrgenommen - auch dies trägt stark zur Beruhigung der Patienten bei, z.B. bei ambulanten Operationen ohne Narkose.

In manchen Krankenhäusern herrschen sogar strenge Regeln, wonach verschiedene Abteilungen bestimmte Farben tragen sollen: Das macht die Unterscheidung leichter und hilft auch der Wäscherei zu wissen, welche Kleidung eine spezielle Reinigung benötigt, weil die Mediziner mit infizierten Patienten gearbeitet haben. Dabei sollte selbstverständlich sein, dass OP-Kleidung wirklich nur im OP getragen wird. Wer sich in grüner OP-Kleidung in anderen Abteilungen blicken lässt, verletzt die Hygieneregen des Krankenhauses, denn so werden OP-Keime schnell in andere Bereiche getragen.

 



Arten von Arztkittel

Es gibt viele verschiedene Arten von Arztkittel. Zu aller erst wären dort die Unisex-Kittel, die sowohl von Damen als auch von Herren getragen werden können. Diese zeichnen sich durch einen gerade Schnitt und recht einfache Ausführung aus. Oftmals sind diese "einfacheren" Kittel auch die Preisgünstigsten.

Weiterhin sind reine Damenkittel erhältlich. Diese sind meist leicht tailliert geschnitten und verfügen oft über mehr Taschen als zum Beispiel ein Unisex-Kittel. Herren-Arzt-Kittel sind eher geradlinig geschnitten und haben oft einen längeren Gehschlitz als ein Damenkittel. Das macht es für die Herren, die etwas größer gewachsen sind, leichter zu Laufen.

Hier ein paar Links zu verschiedenen Arten von Arztkitteln: