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Arbeitskleidung für das Labor – Laborkittel, Kasacks und Hosen nach Einsatz auswählen

Arbeitskleidung im Labor kann je nach Arbeitsbereich sehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Forschungslabor, medizinisches Labor, Apotheke, Qualitätskontrolle oder Industrie unterscheiden sich bei Arbeitsstoffen, Verfahren und möglichen Gefährdungen deutlich.

Deshalb gibt es nicht den einen Laborkittel oder das eine Material, das für jedes Labor geeignet ist. Bei der Auswahl sollten Tätigkeit, Gefährdungsbeurteilung, benötigte Schutzfunktion, Material, Passform, Waschbarkeit und Aufbereitung gemeinsam betrachtet werden.

Wichtig zur Einordnung dieser Berufswelt:

Die Kategorie bündelt Berufsbekleidung, die für Labor- und labornahen Arbeitsalltag interessant sein kann. Die Aufnahme eines Artikels in diese Auswahl ist kein Nachweis einer Schutzwirkung gegen Chemikalien, Biostoffe, Flüssigkeiten oder andere Laborgefahren. Wenn eine definierte Schutzfunktion erforderlich ist, muss dafür ausdrücklich geeignete Schutzkleidung beziehungsweise PSA ausgewählt werden.


Welche Arbeitskleidung passt zu welchem Laborbereich?

Arbeitsbereich Typische Auswahlfrage Mögliche Bekleidung
Routine, Dokumentation, Probenlogistik Beweglichkeit, Taschen, Teamkleidung und Pflegeeigenschaften Laborkittel, Kasack, Hose – abhängig von betrieblichen Vorgaben
Biologisches Labor Welche Schutzstufe und welche Schutzmaßnahmen gelten? Laborkittel oder andere Schutzkleidung nach den konkreten Vorgaben; gegebenenfalls weitere PSA
Chemisches Labor Welche Stoffe, Mengen und Expositionswege liegen vor? Berufsbekleidung plus gegebenenfalls ausdrücklich geeignete Chemikalienschutzkleidung/PSA
Apotheke / Rezeptur / Qualitätskontrolle Welche Tätigkeit und welches interne Bekleidungskonzept gelten? Kittel oder andere Berufsbekleidung; Schutzbedarf separat beurteilen

Diese Zuordnung ist eine Orientierung. Welche Kleidung tatsächlich benötigt wird, ergibt sich aus den jeweiligen Arbeitsverfahren, Arbeitsstoffen und betrieblichen Schutzmaßnahmen.

Laborkittel, Berufskittel oder Schutzkittel – wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe werden im Alltag häufig vermischt, erfüllen aber nicht automatisch dieselbe Funktion.

  • Berufs- oder Arbeitskittel: wird als Arbeitskleidung getragen und besitzt nicht automatisch eine definierte Schutzwirkung.
  • Laborkittel: beschreibt häufig den vorgesehenen Einsatzbereich oder die typische Bauform; auch daraus lässt sich allein keine konkrete Chemikalien- oder Biostoffschutzwirkung ableiten.
  • Schutzkleidung / PSA: muss für die konkrete Gefährdung geeignet sein und entsprechend der Gefährdungsbeurteilung ausgewählt werden.

Ein weißer Kittel wird deshalb nicht allein durch Farbe, Länge, Material oder hohe Waschtemperatur zu Chemikalienschutz- oder Biostoffschutzkleidung.

Ist ein Laborkittel im Labor Pflicht?

Eine pauschale Antwort für jedes Labor wäre zu ungenau. Die Anforderungen unterscheiden sich nach Tätigkeit und Gefährdung.

Für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen enthält die TRBA 100 konkrete Schutzmaßnahmen für Laboratorien. In Schutzstufenbereichen müssen dort Laborkittel oder andere Schutzkleidung getragen werden; abhängig von Tätigkeit und Gefährdung können weitere Schutzmaßnahmen hinzukommen.

Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen gilt ebenfalls: Der Arbeitgeber muss die Gefährdungen beurteilen und daraus geeignete Schutzmaßnahmen ableiten. Ein allgemeiner Berufskittel kann dabei Teil der Arbeitskleidung sein, ersetzt aber nicht automatisch die erforderliche Schutzkleidung.

TRBA 100 bei der BAuA   |   Gefährdungsbeurteilung im Labor bei der BAuA

Zwei Laborkittel im Vergleich: Baumwolle oder Mischgewebe?

Die beiden folgenden Modelle zeigen gut, warum sich Waschbarkeit und professionelle Aufbereitung nicht allein aus der Bezeichnung „Laborkittel“ oder aus der Faserart ableiten lassen.

Eigenschaft Laborkittel 2704 EXNER Laborkittel 292
Material 100 % Baumwolle 50 % Polyester / 50 % Baumwolle
Stoffgewicht ca. 200 g/m² ca. 175 g/m²
Schnitt leicht tailliert tailliert mit Seitenschlitzen
Kragen / Front Reverskragen, verdeckte Knopfleiste Stehkragen, verdeckte Druckknopfleiste
Taschen 2 Seitentaschen + 1 Brusttasche 2 Seitentaschen + 1 Brusttasche
Waschbarkeit bis 60 °C bis 90 °C
Industriewäsche nicht ausdrücklich ausgewiesen geeignet
Größen XS–4XL XS–5XL

Laborkittel 2704 ansehen   |   EXNER Laborkittel 292 ansehen

Der Vergleich zeigt: Der Kittel aus 100 % Baumwolle ist nicht automatisch heißer waschbar oder für Industriewäsche geeignet. Der konkrete Artikel und seine Herstellerfreigaben sind entscheidend.

Welches Material ist für einen Laborkittel geeignet?

Für normale Berufsbekleidung im Labor können Baumwolle und Baumwolle-Polyester-Mischgewebe unterschiedliche Vorteile bieten:

  • Baumwolle: kann Feuchtigkeit gut aufnehmen und wird häufig wegen ihres natürlichen Griffs gewählt.
  • Baumwolle-Polyester-Mischgewebe: kann Pflegeleichtigkeit, Formstabilität und schnelleres Trocknen unterstützen.
  • Stoffgewicht: hilft, leichtere und kräftigere Gewebe miteinander zu vergleichen.

Aus der Faserzusammensetzung allein darf jedoch keine chemische oder biologische Schutzwirkung abgeleitet werden. Wenn Schutz gegen bestimmte Gefahrstoffe, Flüssigkeiten oder Biostoffe erforderlich ist, muss das konkrete Schutzprodukt dafür geeignet sein.

Weitere Hintergründe finden Sie in unserem Materialratgeber für Berufsbekleidung.

Sind glatte Stoffe im Labor automatisch hygienischer?

Nein. Aussagen wie „glatte Oberflächen verhindern das Anhaften von Partikeln“ sind für allgemeine Berufsbekleidung zu pauschal.

Ob ein Kleidungsstück für einen definierten Reinheits-, Hygiene- oder Schutzbereich geeignet ist, hängt von den konkreten Anforderungen des Arbeitsplatzes und den geprüften Produkteigenschaften ab. Gewebeoberfläche, Faserart oder Farbe allein reichen als Nachweis nicht aus.

60, 90 oder 95 °C – wie heiß muss Laborbekleidung waschbar sein?

Es gibt keine einheitliche Waschtemperatur für jede Art von Laborbekleidung. Die erforderliche Aufbereitung richtet sich nach Einsatz, Kontaminationsrisiko und den betrieblichen Vorgaben; die maximal zulässige Waschtemperatur nach der Pflegekennzeichnung des konkreten Kleidungsstücks.

Der Baumwollkittel 2704 ist aktuell bis 60 °C ausgewiesen. Der EXNER 292 ist dagegen bis 90 °C waschbar und zusätzlich industriewäschegeeignet. Andere Modelle können wiederum abweichende Pflegefreigaben besitzen.

Eine hohe Waschtemperatur allein beweist weder vollständige Dekontamination noch eine besondere Schutzwirkung. Wenn eine definierte Desinfektions- oder Dekontaminationsmaßnahme erforderlich ist, muss das dafür vorgesehene Verfahren eingehalten werden.

Industriewäsche ist eine separate Produkteigenschaft

Ein Laborkittel ist nicht allein deshalb für Industriewäsche geeignet, weil er aus Mischgewebe besteht oder bei hoher Temperatur gewaschen werden kann.

Beim EXNER 292 ist die Industriewäsche-Eignung ausdrücklich angegeben. Beim Baumwollkittel 2704 ist sie in den aktuellen technischen Angaben dagegen nicht ausgewiesen.

Merksatz: Material, Waschtemperatur, Industriewäsche und Schutzwirkung sind vier unterschiedliche Eigenschaften.

Wie sollte ein Laborkittel sitzen?

Ein Berufskittel sollte ausreichend Bewegungsfreiheit an Schulter, Rücken, Brust und Armen bieten, ohne an Geräten, Arbeitsflächen oder anderen Einrichtungen unnötig zu stören.

Bei der Anprobe sollten Sie besonders prüfen:

  • Arme nach vorn und oben bewegen,
  • Knopf- oder Druckknopfleiste vollständig schließen,
  • Sitzen und Arbeiten an Tisch oder Laborbank,
  • ausreichende Brust- und Hüftweite,
  • Ärmel- und Gesamtlänge passend zur Tätigkeit.

Unsere Größentabelle unterstützt bei der Orientierung.

Taschen im Labor: Proben gehören nicht in normale Kitteltaschen

Brust- und Seitentaschen können für geeignete Arbeitsmittel wie Stifte, Notizen oder Namensschilder praktisch sein. Die bisherige Empfehlung, Proben oder Laborgeräte einfach in Kitteltaschen zu transportieren, ist dagegen zu allgemein.

Proben, Gefahrstoffe, kontaminierte Gegenstände oder empfindliche Geräte müssen nach den dafür vorgesehenen betrieblichen Verfahren transportiert und aufbewahrt werden. Normale Bekleidungstaschen sind dafür nicht automatisch geeignet.

OEKO-TEX® STANDARD 100 richtig verstehen

Bei Artikeln mit OEKO-TEX® STANDARD 100 wurden das Textil beziehungsweise seine Bestandteile auf Schadstoffe geprüft. Der EXNER 292 ist beispielsweise entsprechend ausgewiesen.

Die Zertifizierung sagt jedoch nicht aus, dass ein Kittel Schutz gegen Chemikalien oder Biostoffe bietet, industriewäschegeeignet ist oder für eine bestimmte Schutzstufe zugelassen wurde. Solche Eigenschaften müssen separat belegt sein.

Kasack und Hose statt Laborkittel?

In manchen labornahen Tätigkeiten oder Arbeitsbereichen können Kasacks und Hosen Teil der normalen Berufsbekleidung sein. Ob sie anstelle eines Laborkittels getragen werden dürfen, hängt von den betrieblichen Vorgaben und der jeweiligen Tätigkeit ab.

Wenn ein Bereich ausdrücklich einen Laborkittel oder Schutzkleidung verlangt, sollte diese Vorgabe nicht durch einen normalen Kasack ersetzt werden. Die Berufswelt-Seite dient deshalb als Sortimentsorientierung und nicht als Freigabe für bestimmte Schutzstufen oder Laborverfahren.

Direkt vergleichen:

Laborkittel   |   Arztkittel   |   Kasacks   |   Arbeitshosen

Laborbekleidung für Teams und Einrichtungen auswählen

Bei größeren Teamausstattungen sollte zuerst geklärt werden, welche Tätigkeiten das Team ausführt und welche Schutzanforderungen gelten. Erst danach sollte die konkrete Berufsbekleidung ausgewählt werden.

  1. Laborbereich und Tätigkeiten definieren.
  2. Gefährdungen und gegebenenfalls notwendige Schutzkleidung feststellen.
  3. Material und Wäscheprozess der normalen Berufsbekleidung festlegen.
  4. Damen-, Herren- oder Unisex-Schnitte auswählen.
  5. Mustergrößen anprobieren lassen.
  6. Taschen und Verschlüsse nach tatsächlichem Arbeitsablauf auswählen.
  7. Nachbestellbarkeit bei dauerhaftem Teamkonzept berücksichtigen.

Worauf sollten Sie beim Kauf von Laborbekleidung achten?

  • Tätigkeit: Routine, biologisches Labor, Gefahrstofflabor oder labornaher Bereich unterscheiden.
  • Schutzbedarf: normale Berufsbekleidung nicht mit Schutzkleidung/PSA verwechseln.
  • Material: Baumwolle, Mischgewebe und andere Konzepte nach realem Bedarf vergleichen.
  • Waschtemperatur: nur die konkrete Produktfreigabe verwenden.
  • Industriewäsche: nur bei ausdrücklicher Eignung voraussetzen.
  • Passform: Bewegungsfreiheit, Ärmellänge und Gesamtlänge prüfen.
  • Verschluss: Knöpfe oder Druckknöpfe passend zum Arbeitsablauf auswählen.
  • Taschen: nur für dafür geeignete Arbeitsmittel nutzen.
  • Zertifikate: genau prüfen, was tatsächlich zertifiziert beziehungsweise getestet wurde.
  • Gefährdungsbeurteilung: bei Schutzanforderungen immer vor der Produktauswahl berücksichtigen.

Häufige Fragen zur Arbeitskleidung im Labor

Ist jeder Laborkittel persönliche Schutzausrüstung?

Nein. „Laborkittel“ beschreibt häufig Einsatzbereich oder Bauform. Ob ein konkreter Kittel als Schutzkleidung beziehungsweise PSA eingesetzt werden kann, hängt von seiner nachgewiesenen Schutzfunktion und der Gefährdungsbeurteilung ab.

Ist ein Laborkittel im Labor immer vorgeschrieben?

Das hängt vom Labor und der Tätigkeit ab. Für Laboratorien mit biologischen Arbeitsstoffen enthält die TRBA 100 konkrete Anforderungen an Laborkittel beziehungsweise Schutzkleidung. In anderen Laboren ergeben sich die notwendigen Maßnahmen aus der jeweiligen Gefährdungsbeurteilung und den betrieblichen Regeln.

Schützt ein Baumwoll-Laborkittel automatisch vor Chemikalien?

Nein. Eine Faserzusammensetzung wie 100 % Baumwolle ist kein Nachweis für eine definierte Chemikalienschutzwirkung. Wenn Chemikalienschutz erforderlich ist, muss dafür geeignete und entsprechend geprüfte Schutzkleidung ausgewählt werden.

Wie heiß muss ein Laborkittel waschbar sein?

Es gibt keine für jedes Labor und jeden Kittel einheitliche Temperatur. Die notwendige Aufbereitung richtet sich nach Einsatz und Kontaminationsrisiko; die maximale Waschtemperatur nach der Pflegekennzeichnung des jeweiligen Artikels.

Sind Mischgewebe automatisch industriewäschegeeignet?

Nein. Industriewäsche-Eignung ist eine separate Produkteigenschaft. Beim EXNER 292 ist sie aktuell ausdrücklich angegeben, beim Baumwollkittel 2704 dagegen nicht.

Sind glatte Stoffe automatisch partikel- oder keimabweisend?

Nein. Aus einer glatten Oberfläche allein lässt sich keine definierte Partikel-, Keim- oder Schutzwirkung ableiten. Für Bereiche mit besonderen Anforderungen müssen die dafür relevanten Produkteigenschaften beziehungsweise Prüfungen vorliegen.

Dürfen Proben in der Kitteltasche transportiert werden?

Normale Kitteltaschen sind nicht automatisch für den Transport von Proben, Gefahrstoffen oder kontaminierten Gegenständen vorgesehen. Dafür sind die betrieblich festgelegten Behälter und Transportverfahren zu verwenden.

Was bedeutet OEKO-TEX® STANDARD 100 bei einem Laborkittel?

Die Zertifizierung bedeutet, dass das Textil beziehungsweise seine Bestandteile auf Schadstoffe geprüft wurden. Sie belegt keine Chemikalien-, Biostoff- oder sonstige Schutzfunktion und sagt auch nicht automatisch etwas über Industriewäsche aus.

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